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Allgemein
6.2.2023

Das Projekt "Batteriespeicherkette Nordbayern"

Lesedauer:
5 min

In der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, nachhaltige und unabhängige Lösungen für die Deckung unseres Energiebedarfs in die Stromversorgung zu integrieren. Für eine moderne und erneuerbare Energieversorgung spielen Speicherlösungen dabei eine Schlüsselrolle. Denn Batteriegroßspeicher bringen Sicherheit für  eine zunehmend belastete Infrastruktur, indem sie die Belastung der Stromnetze reduzieren. Gleichzeitig ermöglichen sie den netzverträglichen Umstieg auf erneuerbare Energiequellen, indem sie die Volatilität in der Erzeugung ausgleichen.  Unser neues Projekt „Batteriespeicherkette Nordbayern“ zeigt dabei eindrucksvoll, wie Batteriespeicheranlagen in Deutschland in kürzester Zeit realisiert und netzdienlich eingesetzt werden können.

Bereits Ende letzten Jahres konnten wir bei Kyon Energy zwei neue Batteriespeicheranlagen erfolgreich an das Stromnetz anschließen und nach ersten Testläufen den regulären Betrieb aufnehmen. Anfang dieses Jahres folgte dann die feierliche Eröffnung der Batteriespeicherkette in Nordbayern zusammen mit unseren Partnern sowie Vertretern aus Politik und Medien. Eine wichtige Veranstaltung, um  auf die Dringlichkeit des Aufbaus von Speicherkapazitäten in Deutschland aufmerksam zu machen.

Eckdaten der Batteriespeicherkette

Die Speicherkette wurde an zwei Standorten im Norden Bayerns realisiert und verfügt über eine Gesamtleistung von insgesamt 42 Megawatt. An jedem Projektstandort wurden sechs Speichereinheiten errichtet, zusammengesetzt aus Einhausungen mit Batteriezellen, Wechselrichtern und Transformatoren. Eingesetzt wurden Lithium-Ionen-Batteriezellen, in diesem Falle von Samsung SDI. Durch die längere Lebensdauer und hohe Energiedichte eignet sich diese Art von Batterien besonders gut.
Jeder Projektstandort erbringt eine Leistung von 20,7 MW und hat eine Bruttospeicherkapazität von 24 MWh. Zur Einordnung dieser Kennzahlen: Im Durchschnitt verbraucht ein Haushalt (vier Personen) in Deutschland etwa 3.500 Kilowattstunden pro Jahr, was knapp 10 Kilowattstunden pro Tag entspricht. Alleine ein 20-Megawatt-Batteriespeicher ist also in der Lage, mehr als 2.000 Haushalte einen Tag lang mit Strom zu versorgen.

Durch ihr flexibles Design und ihre Kompaktheit können die Batteriespeicheranlagen sehr gut an die gegeben Standort-Umstände angepasst und dahingehend optimiert werden. Im Vergleich zu anderen Erzeugungsanlagen oder Speichermöglichkeiten kann so sehr viel Nutzfläche eingespart werden. An beiden Standorten der Batteriespeicherkette Nordbayern wurden jeweils weniger als 2.500qm für die Errichtung der Anlagen benötigt.
Genauere Informationen zum Aufbau eines Batteriegroßspeichers kann man auch in unseren Blogartikel „Wie Batteriespeicher aufgebaut sind“ nachlesen.

Wie kommen die Batteriespeicher nun zum Einsatz?

Beide Batteriespeicheranlagen sind über Umspannwerke an das deutsche Mittelspannungsnetz mit einer Spannung von 20kV angeschlossen. Seit dem Anschluss leisten sie wichtige netzdienliche Systemleistungen. Dabei sind sie insbesondere in folgenden Anwendungsfällen aktiv:

  • Bereitstellung von Primärregelleistung (Verlinkung Glossar) für die Stabilisierung der Netzfrequenz
  • Bereitstellung von Flexibilitäten (Glossar) am SPOT- und Intraday-Handel (Glossar) zur Pufferung von Preisspitzen  
  • Glätten von lokalen Lastspitzen
  • Ausgleich von Volatilitäten bei der Stromerzeugung erneuerbarer Energien

Durch ihre hohen Wirkungsgrade (über 90%) und extrem schnelle Reaktionsfähigkeit (die volle Leistung steht im Zweifel innerhalb von Sekundenbruchteilen zur Verfügung), bieten sich die eingesetzten Speicher sehr gut an, um die kurzfristigen Schwankungen des Stromnetzes auszugleichen. Dadurch bringen sie Sicherheit in die kritische Infrastruktur der Stromversorgung. Gleichzeitig verdrängen sie zunehmend konventionelle Kraftwerke und leisten so einen wichtigen Beitrag zu den Dekarbonisierungszielen Deutschlands im Bereich der Stromerzeugung.

Ablauf des Projektes

Der Bau eines Batteriespeichers ist ein komplexes Projekt, welches eine gründliche Planung und Vorbereitung erfordert. Von der Standortbestimmung bis hin zur Inbetriebnahme ist es von entscheidender Bedeutung, jeden Aspekt des Prozesses zu verstehen und sorgfältig zu verfolgen, um ein erfolgreiches Endergebnis zu gewährleisten. Der Startschuss beider Projekte fiel mit der Flächenakquise und der Sicherung des Netzanschlusses. Nach positiver Rückmeldung des Netzbetreibers N-Ergie Netz GmbH konnten die Bauanträge im späten Frühjahr 2021 eingereicht werden. Parallel dazu erfolgte die Planung und Entwicklung der Batteriespeicher, bei der unsere Projektentwickler unter Berücksichtigung der baurechtlichen Vorgaben und standortbezogenen Gegebenheiten die technischen Anforderungen und Spezifikationen der Anlagen definierten. Die Auswahl der Komponenten erfolgte mit Blick auf die Optimierung der Effizienz für jeden Standort. Bereits im Oktober 2021 konnten nach positiver Baugenehmigung die Bauarbeiten  gestartet werden. Nur elf Monate später wurden die beiden Batteriespeicheranlagen im September 2022 für erste Testläufe an das Stromnetz angeschlossen. Seit Oktober stellen die Anlagen dem Stromnetz wichtige netzdienliche Systemleistungen zur Verfügung.

Damit zeigt das Projekt in beeindruckender Weise, wie die Energiewende durch effiziente Zusammenarbeit mit den involvierten Behörden und trotz einer angespannten Lage am Lieferanten- und Logistikmarkt gelingen kann. Der vergleichbar kurze Realisierungszeitraum von Batteriespeicherprojekten stellt einen entscheidenden Vorteil für  ein schnelles Gelingen der Energiewende dar. Sie können die meisten anderen Anlagen zum Ausbau erneuerbarer Energien sowohl im Genehmigungs- als auch in der Baudauer unterbieten. Gerade in Krisenzeiten ein wichtiger Faktor, um schnell einen Beitrag zur Versorgungssicherheit und Preisstabilität liefern zu können.  

Dabei sind die vielen Stakeholder gleichermaßen von Anfang an mit einzubinden. Neben unseren Partnern Eco Stor (Speicherhersteller) und VERBUND, Österreichs größtem Energieversorger (Speicherbetreiber) waren auch die Gemeinden in jedem Prozessschritt intensiv eingebunden. So konnten lokale Chancen und Herausforderungen von Anfang an mit in die Planungen einbezogen und mögliche Risiken schnell erkannt und gemeinsam gelöst werden.

Fazit

Die beiden neuen Batteriespeicherprojekte in Diespeck und Iphofen stellen einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigen und zuverlässigen Energieversorgung und im Aufbau von Speicherkapazitäten in Deutschland dar. Mit insgesamt 42 MW sind die beiden Anlagen nun die leistungsstärksten in Bayern. Die Projekte verdeutlichen außerdem, wie durch effiziente Prozesse in der Zusammenarbeit von Gemeinden, Behörden, Lieferanten, Investoren und Projektierern , wichtige Beiträge zur Lösung der Energiekrise  in kürzester Zeit realisiert werden können. Denn das braucht es in Deutschland gerade besonders dringend – Maßnahmen, die kurzfristig umsetzbar sind. Mit einem Projektrealisierungszeitraum von der Flächensuche bis zur Inbetriebnahme von weniger als 16 Monaten leisten die Batteriespeicher in Nordbayern, insbesondere in den aktuellen Krisenzeiten, einen beeindruckend schnellen Beitrag. Nach ihrem Beispiel werden in Deutschland noch viele weitere Batteriespeicherprojekte folgen

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